Fabian Treiber
AUTOGRILL

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Wer zeigt denn da Figur?

von Nikolai B. Forstbauer

Stuttgarter Nachrichten vom 8.12.2017

Da ist einer, der sich die Dinge, nein, eigentlich alles offenhält. Einer, der genau das gut macht. Einer, der Malerei zudem neu interpretiert. Das war der Eindruck, 2013. Vier Jahre später heißt eine Ausstellung von Fabian Treiber in der Züricher Galerie Mark Müller „body doesn’t know“, und die Unverfrorenheit von 2013 ist ausgewogenem Kompositionssinn gewichen. Und doch formuliert Annalena Müller Wichtiges: „Man hat das Gefühl, etwas fehle, unser Bewusstsein möchte das Fragment ergänzen. Gleichzeitig wirft das Erkennen einer vermeintlichen Leerstelle die Frage auf, was wir denn zu lesen gedenken, nach welcher Art der Vollständigkeit wir suchen, was es braucht, dass etwas Gültigkeit hat.“ Da ist es also doch wieder, das Erkennen des Rohen, das Gefühl für ein Vorwärts ohne Rückhalt. Aber ist es auch Bild? Diese Frage sucht nun die Schau „Autogrill. (this place)“ in der Strzelski Galerie in Stuttgart zu beantworten.

Das Assoziationsmonster im Titel der Ausstellung ist kein Zufall. Das ist es, um was es geht. Die Entleerung des Bildraumes, die der Absolvent der Stuttgarter Kunstakademie 2015/2016 als Meisterschüler des Weißenhof-Programms zeigt, ist nur die andere Seite der überbordenden Motivmedaille, die Treiber vor allem in den größeren Formaten aktuell präsentiert. Der Ironiker, der konzeptuelle Maler wird da zum Sänger. Doch mitten in das Lied über die Farbform platzt da ein Arm, ein Fragment, auch formal aus anderer Zeit. Ironie? Verzweiflung? Oder doch das Beschwören eines kunsthistorischen Mythos von Willi Baumeisters „Mauerbildern“ bis hin zu Jeff Koons’ „Hulk“ in der Staatsgalerie und Michel Majerus’ „gold“ im Kunstmuseum Stuttgart? Schweben verbindet, Schweben, so suggeriert es die Schau bei Strzelski, macht es gar möglich, dass aus dem Bildgeflecht ein abgewinkelter Ellbogen auftaucht. Was aber kann man ernsthaft dagegen haben, wenn es gut ist? Höchstens noch das, dass es gut ist, so verdammt souverän.

„Autogrill. (this place)“ ist eine gute Ausstellung, Gut ausgesucht, gut gehängt. Aber plötzlich fehlt da der Laborant, der Forscher Treiber. Und auch das konsequent Lapidare, das doch das Schaffen des 1986 in Ludwigsburg geborenen Fabian Treiber immer wieder auszeichnet. Als Fabian Treiber 2016 bei Mario Strzelski Halt machte, schrieb Marie Luise Namislow: „In seinen Arbeiten kippt und pulsiert es. Unter einem altrosafarbenen Teppich scheinen Formen hindurch. Übermalte Erinnerungen, bildgewordene Gedanken vielleicht, die unter der Oberfläche liegen und die dennoch darauf hinweisen, dass dies eben kein Teppich an sich ist, sondern ein gemalter.“ Stimmt. Auch jetzt. Leichter macht es das nicht.


Ausstellung:
9. Dezember - 21. Januar 2018
geschlossen zwischen 24.12. und 6.1.2018




Strzelski Galerie
Mario Strzelski
Rotebühlplatz 30
70173 Stuttgart

Tel +49(0)711 - 601 48 18
galerie (at) strzelski.de

Öffnungszeiten:
Mi - Fr 11 - 19 Uhr
Sa 13 - 16 Uhr sowie nach Absprache