Josef Bartz

Es ist die kompromisslose Nähe der Bildern, die sofort anzieht. Vielleicht ist es aber auch die sachliche Distanz. Es ist wahrscheinlich das Zusammenspiel von genau diesen beiden Komponenten: Josef Bartz geht geradezu unverschämt nah an die Körper ran und behält dabei den Blick fürs Wesentliche. Isoliert von jeglichem unnötigen Überfluss steht jedes Objekt für sich. In seiner Form, seinem Material, seiner Ästhetik. Es ist stets nur der Ausschnitt von etwas Größerem, der Teil eines Ganzen und doch braucht es nicht mehr. Die bestechend scharfen Objekte sind gebettet in ein Meer aus Farben mit fließenden Übergängen, die die Körper wie Watte auffangen. Die zentralen Gegenstände aus hartem, kalten Material sind in solch detailgetreuer Präzision dargestellt, dass es fast wehtut. Es schmerzt der Anblick der verknöcherten Äste, der von Blasen überzogenen Knochen, der Rauchwolken, über deren Ursprung man gar nicht erst nachdenken will. Als Wiedergutmachung bietet Bartz Farbflächen, die beruhigen und dem Auge schmeicheln. So wird ein Spannungsverhältnis geschaffen, das eine ästhetische Anziehungskraft ausübt und gleichzeitig zu räumlicher Distanz zwingt, um das Dargestellte überhaupt aufnehmen zu können. Nicht vielen ist es vergönnt, am eigenen Leib erfahren zu haben, was es heißt, wenn sich zwei Körper, die unterschiedlicher nicht sein könnten, vereinen, um schließlich so stark zu harmonisieren. Es ist diese Sehnsucht, die den Reiz ausmacht. Und trotzdem bleibt die Frage: Steckt wirklich etwas Größeres dahinter? Oder ist es gerade die Verleugnung des Größeren, was uns eine vermeintliche Harmonie vorschwindelt? Trügt der schöne Schein und es ist am Ende alles nur „Schall und Rauch“?

Kathrin Dick