Peter Lamb

Peter Lamb ist laut. Er schreit uns an, nimmt kein Blatt vor den Mund. Grelle und chaotische Neuordnungen, zusammengesetzt aus anatomischen Abbildungen, naiven Kinderzeichnungen, Masken, Neonlichtern, peitschen uns entgegen. Die greifbare Konfrontation mit vergangenen Zeiten wird schonungslos durchgezogen, betäubende Installationen lassen keinen Raum für Wehmut. Die furchtlose Art, mit der Totenschädel auf Kinderzeichnungen zum Muttertag geklebt werden, mit der das heiße Neonlicht der damals noch jungen Großmutter das Gesicht wegschmilzt und dem gesichtslosen Mann Hörner wachsen, lässt uns verstummen.
Ohne Rücksicht auf Verluste wird nicht nur die uns bekannte kreative, sondern auch soziale und politische Ordnung der Vergangenheit aus den Fugen gehoben. Die Werke zeugen von Nostalgie, Huldigung, Vorwurf, Sehnsucht oder auch Unverständnis, sie sind Relikt, Pokal und Warnschild in einem.
Die stummen Schreie, mit denen die Bilder uns durchdringen, erschüttern uns bis ins Mark. Wir wollen zurück brüllen, weil die Vergangenheit plötzlich nicht mehr die zu sein scheint, die wir kennen und schätzen. Und doch bleibt uns der Schrei im Halse stecken. Haben sie etwa Recht? Sollten wir die Vergangenheit mal ordentlich durchschütteln und neu bewerten? Die leise Stimme in uns, die uns insgeheim schon lange sagt, dass es an der Zeit ist, sich die komplexen Bilder des Vergangenen mal genauer anzuschauen, wird lauter. Die uns still anbrüllende Wirrsal aus Erinnerungen fordert ein Überdenken. Und dabei sollten wir genauso mutig und furchtlos vorgehen, wie es uns die Werke vormachen.

Kathrin Dick